Und weiter warten wir auf den Winter, sofern er denn noch kommen mag. Das Gras sprießt und die Vögel singen. Fliegen und Käfer sind unterwegs wie im Frühling. Der Dauerregen sorgt dagegen für ein unverändertes Herbstbild. Haben wir denn noch Herbst, oder ist es schon Frühling, oder ist das jetzt der Winter?

Vorbei die Zeiten, in denen man getrost mit Schnee im Dezember rechnen konnte, allmählich verblassen auch meine Kindheitserinnerungen an einen weißen Dezember. Ob das wirklich die Klimaveränderung ist oder nur ein seltsames meteorologisches Durcheinander in wenigen Jahrzehnten, die doch in den langen Phasen der Klimageschichte nur wie Bruchteile einer Sekunde währen.

Ich weiß es nicht, merke aber, dass die spürbaren Veränderungen nicht gerade wohltuend sind: Hitzesommer, phasenweise Regengüsse und Stürme im Herbst und Frühjahr…

Die Rosen blühen auch schon wieder bzw. immer noch. Der große Felsenkaktus, mühsam kurz vor Heiligabend reingeschleppt, hätte ruhig noch den warmen Januar bei 14 Grad am Abend gefahrlos “überwintern” können. Zumindest kann Weißrussland (Belarus) den Ölhahn getrost zulassen, wer heizt schon (viel) zur Zeit?

Es wird Zeit, den Lebensstil zu verändern, auch, wenn es, das weiß ich selbst, schwerfällt. Wie seltsam, als der Zirkusdirektor neulich erzählte, seine Kamele seien nicht krank: Fetzen und Fellstücke hingen herunter, das Fell glich einem Flickenteppich. Nein, die Tiere werfen gerade ihr Winterfell ab, weil es so warm sei…

Wenn der Klimawandel schon ins Zirkuszelt kommt, sollte er wenigstens auch Eintritt bezahlen…
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Silvio Ströver